Beschreibung
Der Roman zur neuen Weltordnung Eine gnadenlose Verkaufsidee: Um die Nachfrage auf einen 2500 Dollar teuren Turnschuh weiter anzuheizen, sollen zehn Kunden im Einkaufstrubel erschossen werden. Doch in der Welt von morgen ist alles käuflich, und so wandert der Mordauftrag in immer neue Hände. Ein bitterböser Globalisierungsthriller über die schöne neue Welt, in der wir leben. Eine Mischung aus "Fight Club" und "Minority Report" für die neue Weltordnung.
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Leseprobe
Teil l Nike Hack hörte am Wasserspender zum ersten Mal von Jennifer Government. Dass er sich überhaupt dort aufhielt, lag nur daran, dass das Gerät auf seiner Etage leer war. Das Gesetz werde über Nature's Springs hereinbrechen wie eine Tonne Scheiße, jede Wette. Hack war Merchandise Distribution Officer. Das hieß im Klartext: Wenn Nike eine neue Serie Plakate oder Kappen oder Strandlaken herausbrachte, hatte Hack dafür zu sorgen, dass sie ihren Bestimmungsort erreichten. Und wenn irgendwo Plakate oder Kappen oder Strandlaken fehlten, dann musste Hack sich mit den Beschwerdeanrufen herumschlagen. Auf die Dauer war das nicht besonders spannend. 'Eine Katastrophe ist das', sagte einer der Männer am Wasserspender. 'Nur noch vier Tage, bis wir die Dinger auf den Markt werfen, und ich hab Jennifer Government am Arsch.' 'Schöne Scheiße', sagte der andere. 'Und was jetzt?' 'Wir müssen uns schnell was einfallen lassen.' Er bemerkte Hack, der gerade seinen Becher füllte. 'Hi.' Hack blickte auf. Die Männer lächelten ihn an, als ob sie ihn für ihresgleichen hielten - was natürlich nur daran lag, dass Hack sich auf einer fremden Etage befand. Sie wussten nicht, dass er nur ein Merc Officer war. 'Hi.' 'Hab dich hier noch nie gesehen', sagte der Katastrophen-Typ. 'Neu?' 'Nein, ich arbeite im Merc.' Naserümpfen. 'Ach so.' 'Bei uns ist das Wasser alle', erklärte Hack und wollte eilig wieder verschwinden. 'He, wart mal', sagte der Typ im Anzug. 'Hast du schon mal was mit Marketing zu tun gehabt?' 'Ahm.' Hack wusste nicht recht, ob das ein Scherz sein sollte. 'Nein.' Die Anzugtypen wechselten einen Blick. Der Katastrophen-Typ zuckte mit den Schultern. Dann streckten beide Hack die Hände entgegen. 'Ich bin John Nike, Guerilla Marketing Operative, Produkt-Neueinführungen.' 'John Nike, Vice-President Guerilla Marketing, Produkt-Neueinführungen', sagte der andere. 'Hack Nike', sagte Hack und schlug ein. 'Hack, ich bin zu Personalentscheidungen mittlerer Reichweite befugt', sagte Vice-President John. 'Hättest du vielleicht Interesse an einem Job?' 'Im. Marketing?' Hack spürte einen Kloß im Hals. 'Natürlich keine Festanstellung, nur auf Honorarbasis', stellte der andere John klar. Hack brach in Tränen aus. 'Hier', sagte einer der Johns und reichte ihm ein Taschentuch. 'Geht's wieder?' Hack nickte beschämt. 'Tut mir Leid.' 'Schon in Ordnung, kein Problem', sagte Vice-President John. 'Berufliche Veränderungen können sehr belastend wirken. Hab ich mal irgendwo gelesen.' 'Hier, lass uns den Papierkram erledigen.' Der andere John drückte ihm einen Stift und einen Stapel Blätter in die Hand. Auf der ersten Seite stand VERTRAG ÜBER ZU ERBRINGENDE LEISTUNGEN, die übrigen Seiten waren unleserlich klein bedruckt. Hack zögerte. 'Soll ich das jetzt sofort unterschreiben?' 'Keine Sorge - nur die üblichen Konkurrenzklauseln und Geheimhaltungsverpflichtungen.' 'Na ja, aber.' Die Unternehmen wurden in letzter Zeit immer heikler mit ihren vertraglichen Bestimmungen. Hack hatte da Geschichten gehört - bei Adidas konnte man, wenn man kündigte und der Nachfolger nicht dasselbe leistete, wegen Gewinneinbußen verklagt werden. 'Hack, das hier ist was für Kurzentschlossene. Wir brauchen jemanden, der aus dem Stand entscheiden kann.' 'Einen, der nicht lange rumfackelt, sondern den Stier bei den Hörnern packt.' 'Wenn das allerdings nicht dein Ding ist. vergessen wir das Ganze einfach. Schwamm drüber, dieses Gespräch hat nie stattgefunden, und du bleibst eben im Merchandising.' Vice-President John wollte ihm den Vertrag wieder aus der Hand nehmen. 'Doch, doch, ich kann sofort unterschreiben', protestierte Hack und hielt die Papiere fester. 'Liegt ganz bei dir', sagte der andere John und setzte sich auf den Stuhl neben Hack. Er schlug die Beine übereinander, verschränkte die Hände über dem Knie und lächelte. Im Lächeln waren sie beide gut, bemerkte Hack. Wie wahrscheinlich alle diese Marketing-Fuzzis. Auch ihre Gesichter ähnelte Leseprobe